Skizzen

Betrachtungen zur Stereotypen-Konfrontation Terracotta-Fries Rotes Rathaus

“Richterszene” befindet sich gegenüber “Darstellung der Künste und Wissenschaften”, verbunden durch den Gebäudezugang Hofeinfahrt, die eine Abkürzung des Abschreitens der Motivfolgen ermöglicht, so eine für die Entstehungszeit überraschende und hochaktuelle Verbindung herstellt.

Künstler = (?) Historiker = Richter

Der Vorwurf innerhalb der Debatten an den Historiker, zugleich Richter über die Zukunft zu sein, wirft auch Fragen an den Künstler selbst auf, als Auftragnehmer,…. einer Einladung folgend, oder als Eigenbiograf und Selbstvermittler.

Fries der sozialistischen Geschichte Berlins : Gerhard Thieme, aus der Materialsammlung von Maarten Janssen

Die Künstlerbiografie als Warenwert und ausgestülpter Garant für Authentizität hat Hochkonjunktur und verkommt zugleich in der Varianz der Belege. Inmitten der Transformation “Weisser Fleck” der Geschichte (damit auch Kunstgeschichte) zu einem “Oppositionsgenre” entwickeln sich Diskussionen um Selbstlöschungen (konkrete individuelle Korrekturen bei Einträgen im Internet) und Fremdlöschungen (Kurvendiagramme im Netz über Marktwert, “Pflegenotstand” der Archive). Neu aufkommende Rekrutierungen für die Beteiligung an globalen Archiven (die Attraktion besteht in der Idee einer Gemeinschaftsbildung und Weltgestaltung) mit langfristig unklaren Besitzverhältnissen (Gefahr der Kurzlebigkeit und des Missbrauchs) scheinen das klassische Sammeln (hier: künstlerische Arbeit als Beleg einer Auseinandersetzung innerhalb der Gesellschaft in Eigentum stehend) logistisch und konzeptionell infrage zu stellen…

Betrachtungen zur “Regieleistung” Fries am Roten Rathaus und Fries 750-Jahr-Feier DDR

Festzustellen ist eine gemeinsam innewohnende Betrachterchoreografie: Miniaturisierung des Betrachters, Blick von UNTEN nach OBEN (Hierarchisierung) und ein notwendiges chronologisches Abschreiten der Motive. Auch das Auftauchen vom Bild im Bild als eine Vereinnahmung von Fakten taucht auf. Das VOR-BILD und die Ver-MASS-ung  im DDR-Fries steigert zusätzlich die Stereotypenbildung in Form einer sehr speziellen “Proportionslehre”.

Horizontale Kreuz(t) Vertikale HISTORIOGRAFIE

Die Debatten über Vermittlung historischer Erkenntnisse befindet sich in einer narrativen und strukturellen Krise: Die chronologische Methode, verbunden mit geografischer und personengebundenen Repräsentation, identifikationsstiftend und damit Werkzeug für ein ideologisches und propagandistisches Vorgehen, formuliert als Route (HORIZONTALE) KREUZT mehrstimmig-subjektive Historiografie, faktisch-fiktive Narrationen und medial-multihybride Überlieferungen (VERTIKALE)….

Kirchenschiff als Ort – zur derzeitigen Regieleistung des Kurators und der Produktionsleitung (Anmerkung)

In 2,30 m Höhe und zwischen den Säulen sollen, wie vom Kurator geplant, die Arbeiten der Künstler(*innen) hängen. Das Maximalgewicht und Länge x Breite der Arbeiten sind vorgegeben. Die Reihenfolge soll sich aus den ausgewählten “Ereignissen” (da geht man noch von einer Darstellung eines historischen Ereignisses Berlins aus) jeder(s) Künstlers(*in) ergeben. Hier lauert eine konservative Vorstellung von Bildnarration! Betrachterminiaturisierung, Chronologie als Route…! Auch der Vorstellung einer “Bildfusion” zu einem Fries (Malerei / Fries: hier gilt es noch einiges zu klären!) rechtfertigt noch nicht die Verwendung des Begriffes der Multiperspektive. Zum Ort selbst gibt es noch anzumerken, dass sich eine überraschende Analogie der zu erwartenden Multimaterialitäten der Werke und dem Materialzauber des Mittelalters abzeichnen wird.

Werkbeitrag Suse Weber (Info an Kurator Maarten Janssen)

KALTE NADEL  

Handlungsgerüst I
„Bureau of Engraving and Printing” Fußturm des Stadtmuseums (Mai/Juni, nur auf Einladung), coronabedingt verlegt in die Studio//Bühne Suse Weber
Einsatz der Familien-Druckpresse für Kaltnadelradierung
Präsentation der “Szenerie des gemeinsamen Druckens” im Turmfuß (ausstellungsbegleitend)
Herausgabe einer Sonderedition
Handlungsgerüst II
Groß-Bild-Konstruktion mit über ca. 100 Gravuren in Acrylglas (Kaltnadel–Radierungen) und Gastbeiträgen (siehe Sonderedition)
Handlungsgerüst III
“Figurenrede”, 20. November 2020, im Rahmen von “Nikolai-Musik am Freitag”, 17–18.30 Uhr, Text- und Musikperformance von Suse Weber in Koop. mit multihybrid.org
 Figurenrede: Kalte Nadel

Kurzbeschreibung: 

Suse Weber stellt die lineare Darstellung von Berliner Stadtgeschichte als historisch einspurige Route infrage und wählt exemplarisch ihre 20-jährige Existenz als Künstlerin dieser Stadt und ihre Arbeitsmethoden als Variante einer “Krisendarstellung” von gegenwärtig unter Künstler*innen viel diskutierter Geschichtsschreibung.

Bisher eigene unveröffentlichte Entwürfe von ausgeführten aber auch nicht realisierten Arbeiten werden Motiv-Werkzeuge sein, die mit einer kalten Nadel in ein transparentes Trägermaterial als rekapitulierter Entwurfsvorgang eigenhändig eingraviert werden. Erweitert mit Beiträgen von Künstlerfreunden entstehen so Druckstöcke, die auf einer alten Familien-Druckpresse zunächst angewandt, im Anschluß als Bildvokabeln und Werkzeuge in eine Groß-Bild-Konstruktion eingesetzt werden.

Die von Suse Weber speziell für die thematische Ausstellung erfundene Groß-Bild-Konstruktion weist besondere Eigenschaften auf. Es gibt keine Vorder- oder Rückseite. Bildanfang und -ende bleiben offen. 3-spurig und auf 6 Ebenen können plurimotivische Bildreihen sowohl vertikal aber auch horizontal angeordnet werden. Auf den klassischen rechten Winkel in der Holzkonstruktion als Stabilisator wird verzichtet. Dafür fixieren zwei Kreise die mehrspurigen Balken. Beide Kreise verhindern den Verlauf nur einer Leserichtung und die Rekonstruktion nur einer Chronologie. Bei der Lackierung handelt es sich um die Farbe Verkehrsgrün (RAL 6024), die als Aufsichtsfarbe für Verkehrszeichen (z.Bsp. Kennzeichnung für Notausgänge) Verhaltensnormen im Alltag für die Bürger*innen vorzeichnet und an dieser Stelle die Erfinderin der Groß-Bild-Konstruktion sich selbst als Bürokratin in Selbstironie beobachtet.(*)

* Terracotta-Fries, Rotes Rathaus: “Richterszene” befindet sich gegenüber “Darstellung der Künste”, verbunden durch den Gebäudezugang Hofeinfahrt. Diese Verbindung ermöglicht eine Verkürzung des ursprünglich konzipierten Abschreitens der Motivfolgen, stellt so eine für die Entstehungszeit überraschende und hochaktuelle Verbindung her.

Künstler = (?) Historiker = Richter

Der Vorwurf innerhalb der Debatten an den Historiker, zugleich Richter über die Zukunft zu sein, wirft auch Fragen an den Künstler selbst auf, als Auftragnehmer,…. einer Einladung folgend, oder als Eigenbiograf und Selbstvermittler.

Konkreter Ausstellungsbeitrag: Groß-Bild-Konstruktion

Material: Holz  / Farbe: RAL 6024 (Verkehrsgrün) / 7 Holzbalken (3-rillig)  / 2 Kreise

Einsatz von ca. 100 Kaltnadelradierungen

Motive: Zeichnungen / Entwürfe der letzten 20 Jahre aus dem Archiv von Arbeitsmaterialien von Suse Weber und 7 Gastbeiträge von Künstlerfreunden.

Motive in Acrylplatten graviert, die als Druckplatten Verwendung finden (Kaltnadelradierung). Nach dem Druckvorgang bleiben Farbrückstände in den Rillen bestehen. Die Motivplatten werden als Druckstöcke in die Holzkonstruktion eingesetzt. Druckfarbspektrum: Grüntöne. Durch die 3 Rillen können sich Motive überschneiden (Unschärfe, Auflösungen, Verblassen, Überlagerungen). Das Bildobjekt hat keine Vorder- oder Rückseite……

Auszug aus Motiven © Suse Weber